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Malteser in Bayern und Thüringen

Jobmentoring für Flüchtlinge

16.03.2018
Egal ob alt oder jung - jeder kann einen Flüchtling beim Jobmentoring unterstützen und auf dem Weg in den Arbeitsmarkt begleiten. Foto: Malteser.

Malteser unterstützen Flüchtlinge auf dem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt

Viele Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland gekommen sind, konnten dank der großen Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung mittlerweile hier Fuß fassen. Nach dem langen Fluchtweg stehen viele von ihnen nun vor einer ähnlich großen Herausforderung, ein normales und selbstbestimmtes Leben zu führen. Dazu gehört die Suche nach einer eigenen Wohnung und einer Arbeitsstelle, entscheidende Punkte, um ein Teil der deutschen Gesellschaft zu werden.

Die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt und die Suche nach einer Ausbildungs- oder Arbeitsstelle stellt dabei keine leichte Aufgabe dar: das Bildungsniveau ist hier oft höher als in ihren Herkunftsländern, die Jahre der Flucht haben die Schulausbildung unterbrochen und viele Berufe sind in den Herkunftsländern der Flüchtlinge nicht bekannt oder kamen aufgrund kultureller oder wirtschaftlicher Gründe gar nicht erst Frage. Dazu kommt das Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch, sofort Geld verdienen zu wollen und dem Ziel, durch eine Ausbildung in einem anerkannten Beruf langfristig gegen Arbeitslosigkeit gerüstet zu sein.

Auf der anderen Seite repräsentieren die Neuangekommenen eine große Hoffnung für die bayrische Wirtschaft. Viele Ausbildungsstellen können nicht besetzt werden, der Fachkräftemangel ist seit Jahren ein Problem. Allerdings schrecken viele vor der Einstellung eines Flüchtlings zurück. Der bürokratische Aufwand ist hoch, unterschiedliche Asylstatus erfordern unterschiedliche Arbeitsgenehmigungen bei verschiedenen Behörden. Auch die Zusammenarbeit mit Menschen aus einer ganz unterschiedlichen Kultur ist für viele neu und nicht einschätzbar.

Die Malteser in München haben dieses Problem erkannt und innerhalb der Flüchtlingsarbeit eine eigene Fachstelle für die berufliche Integration von Flüchtlingen aufgebaut. 25 arbeits- und ausbildungssuchende Flüchtlinge werden bereits durch 25 ehrenamtliche Jobmentoren langfristig begleitet. Sie unterstützen in der Berufsorientierung, der Qualifizierung und den ersten Arbeitsverhältnissen. Die Ehrenamtlichen, vom Student bis zum Rentner und von Herkunft ganz bunt gemischt, werden geschult und treffen sich regelmäßig, um die Herausforderungen der Rechtsregelung und Kulturunterschiede besser zu verstehen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Gleichzeitig nehmen wir Kontakt mit Firmen auf und bieten aktiv unsere Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Bewerbern und bei dem darauffolgenden Bewerbungs- und Genehmigungsprozess. Gerold Haas übt ehrenamtlich seine lebenslange Expertise in Vertrieb aus, um eine Beziehung zu Firmen aufzubauen und ihre Bedarfe kennen zu lernen, die Sophie Hédon, Koordinatorin des Dienstes, dann an die verschiedenen Hilfsorganisationen weiterleitet und den gesamten Prozess koordiniert. Dank dieses Systems wurden in den zwei ersten Monaten schon drei Flüchtlinge eingestellt!

Aus dieser Kontaktaufnahme erfolgten verschiedenen Initiativen: Im November organisierte Andrea Wittich einen Tag der offenen Tür in einem Altenheim, damit Geflüchtete die Ausbildungsberufe in der Altenpflege entdecken können. 30 interessierte Flüchtlinge wurden durch das Altenheim geführt und konnten die Heimleitung und einen Azubi mit eigenem Fluchthintergrund zu den möglichen Tätigkeiten und Ausbildungen befragen. Der Erfolg der Veranstaltung war so groß, dass wir einen zweiten Termin am 11. Dezember angeboten haben, der von 25 Flüchtlingen besucht wurde. Aufgrund des ausschließlich positiven Feedbacks sind weiter Veranstaltungen in anderen Einrichtungen geplant.

Daneben fördert eine andere Gruppe von Ehrenamtlichen die Selbständigkeit in der Arbeitssuche und in der Gesellschaft mit einem kostenlosen EDV-Grundkompetenzkurs für Geflüchtete. Jeden Dienstag zwischen 15.30 und 19.30 und jeden Donnerstag zwischen 17.30 und 19.30 treffen sich Ehrenamtliche in einem EDV-Raum bei einem Bildungsträger am Sendlinger Tor, um einen Flüchtling in einer Eins-zu-Eins-Beziehung die Grundlagen der EDV zu vermitteln. „Diese Eins-zu-Eins-Beziehung ist ein Luxus, um EDV zu lernen“, sagt dazu ein Mitglied eines Helferkreises, die Flüchtlinge zu uns weitergeleitet hat. Nach den 8 Modulen über 10 Wochen soll der Flüchtling selbstständig einen Computer benutzen können, erhält ein Zertifikat, und hat eine persönliche Beziehung mit seinem Trainer entwickelt. Zwölf Flüchtlinge haben bereits den Kurs abgeschlossen. Um den EDV-Grundkompetenzkurs herum entwickelt sich eine Art Nachhilfe: Jonas trifft dort Ali jede Woche zur Mathe-Nachhilfe, Guillaume bringt Mohammad das Funktionieren eines Computers bei, Claas hilft Simon in seine Bewerbungen für eine Ausbildung als Berufskraftfahrer. Wenn es gut läuft, steht am Ende eines langen Weges ein geregeltes Arbeitsverhältnis.

 

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