Zehn Jahre Bundesfreiwilligendienst

Michaela Hohn, ihr Lebensgefährte Sebastian (l.) und ihr Bruder Alexander waren als ehrenamtliche Betreuter auch bei der Ausflugsfahrt zum Nepal Himalaya Pavillon in Wiesent im Jahr 2017 dabei. Foto: Krenn.

Passau/Deggendorf. Am 1. Juli werden es zehn Jahre, dass es den Bundesfreiwilligendienst gibt. Michaela Hohn war eine Bundesfreiwillige der ersten Generation bei den Passauer Maltesern und hat seither eine beeindruckende Karriere hingelegt. Am 1. Mai dieses Jahres wurde sie Dienststellenleiterin der Deggendorfer Malteser, seit 2017 ist sie schon Leiterin des Schulbegleitdienstes im Bezirk Straubing.

„Nach der Schule habe ich nicht gleich eine Ausbildungsstelle bekommen. So habe ich mich für ein Jahr Bundesfreiwilligendienst entschieden. Heute weiß ich, dass es die beste Entscheidung war, die ich damals treffen konnte. Man wird reifer und kann viele wertvolle Erfahrungen sammeln“, sagt Michaela Hohn.

Im Vorfeld hatte sie sich auch bei den Maltesern um einen Ausbildungsplatz beworben: „Im Rahmen des Auswahlverfahrens für die Stelle haben wir viel über die Malteser erfahren. So habe ich sie richtig kennen gelernt.“ Mit dem Ausbildungsplatz wurde es vorerst nichts. Aber: „Die Aufgaben der Bundesfreiwilligen haben mich gleich angesprochen und so habe ich mich sofort entschieden, diesen Dienst bei den Maltesern zu leisten“, erklärt Michaela Hohn, die ursprünglich aus Rotthalmünster kommt.

Ein Jahr später beschrieb sie 2012 ihre Eindrücke so: „Die Arbeit mit den Senioren macht genau so viel Spaß wie mit den Kindern. Man hat durch den Bundesfreiwilligendienst mehr Chancen, eine Arbeitsstelle zu bekommen, weil man viele Erfahrungen sammeln kann. Außerdem wirkt er sich auf die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit positiv aus.“ Vernünftige und reife Worte einer damals 17-Jährigen. Heute sagt Michaela Hohn: „Durch den Bundesfreiwilligendienst wurde ich stärker und selbstbewusster. Und ich habe gelernt, Menschen in ihrem ‚Anderssein‘ zu akzeptieren.“

Jungen Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie sie vor zehn Jahren, rät sie: „Macht unbedingt den Bundesfreiwilligendienst. Es ist eine wundervolle Erfahrung, sowohl für die eigene Persönlichkeitsbildung oder auch, um neue Freunde kennenzulernen.“

Zu ihren damaligen Aufgaben gehörte es neben allgemeinen Verwaltungstätigkeiten, im Fahrdienst als Begleitperson beeinträchtigte Schülerinnen und Schüler auf dem Schulweg zu betreuen, Wii-Nachmittage im Passauer Seniorentreff durchzuführen sowie dort die Mitarbeiterinnen bei verschiedenen Veranstaltungen zu unterstützen.

Besonders gern erinnert sich Michaela Hohn noch heute an „die Begeisterung einiger älterer Damen beim Wii-Spielen und an das wundervolle Kinderlachen, wenn wir morgens im Fahrdienst-Bus lauthals alle gemeinsam gesungen haben.“ Prägend war für sie auch „das Gefühl, wie schlecht man von einigen Menschen als Rollstuhlfahrer behandelt wird. Das haben wir bei einer Rollstuhl-Rallye während eines Seminars selbst erfahren.“

Auch als Betreuerin bei Ausflugsfahrten mit Senioren und beeinträchtigten Mitmenschen war Michaela Hohn als Bundesfreiwillige dabei. Zusammen mit ihrem Freund Sebastian Eggerl und ihrem Bruder Alexander gehört sie bis heute zum ehrenamtlichen Stammpersonal bei den Fahrten. Die Drei senken den Altersdurchschnitt dabei erheblich. Denn die meisten Betreuer sind weit über 50. „Das Gefühl, dass wir mit viel Abstand die Jüngsten sind, haben wir gar nicht. Wir sind von Anfang an gut aufgenommen worden“, sagt Michaela Hohn.

Sie braucht nicht lange zu überlegen, um zu erklären, was für sie das Schöne daran ist: „Wenn man nach einem schönen Ausflugstag in glückliche und aber auch erschöpfte Gesichter blickt. Man kann schwer erklären, warum man sich ehrenamtlich engagiert. Bei den Ausflugsfahrten sind allerdings die wunderbare Gemeinschaft und die glücklichen Menschen auf jeden Fall zwei Punkte.“ Längst hat Michaela Hohn neben ihrem Bruder auch ihre Eltern mit dem Malteser-Virus angesteckt. Sie helfen bei den Ausflugsfahrten aus, wenn Not am Mann ist.

Neben ihrem ehrenamtlichen Engagement ist auch der berufliche Werdegang von Michaela Hohn mehr als beeindruckend. Im Juli 2011 machte sie ihre Mittlere Reife, anschließend den Bundesfreiwilligendienst bei den Maltesern. Dort absolvierte sie auch ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen. Nach der bestandenen Prüfung arbeitete sie im Fahrdienst der Passauer Malteser, bevor sie in die freie Wirtschaft wechselte. Hier war sie ein Jahr lang im Sekretariat der Geschäftsführung in einem Deggendorfer Ingenieurbüro beschäftigt.

Dann zog es sie wieder zurück zu den Maltesern, und zwar als Sekretärin der Geschäftsführung in Straubing. Im Februar 2017 übernahm sie die Leitung des Schulbegleitdienstes im Bezirk Straubing, der aus den Dienststellen Straubing, Deggendorf und Landshut besteht. Zum 1. Mai 2021 nun wurde sie Dienststellenleiterin in Deggendorf.

Die Liste der Aufgaben, die sie hier zu bewältigen hat, ist lang. Sie ist Ansprechpartnerin vor Ort für alle möglichen Belange, führt die Mitarbeiter und muss alle Zahlen im Blick behalten. Als Leiterin der Schulbegleitdienstes koordiniert sie die Schulbegleiter, ist Ansprechpartnerin für diese sowie für Schulen, Kindergärten, Eltern und Kostenträger. Darüber hinaus erledigt sie die anfallenden Verwaltungsaufgaben, wie Stundenmeldung und Abrechnung.

Die besonderen Herausforderungen ihrer neuen Aufgabe sieht die 26-Jährige vor allem im Spagat zwischen der Zufriedenheit der Menschen, die die Malteser unterstützen und betreuen, sowie der der Mitarbeiter. Beides liegt ihr sehr am Herzen. Und wer Michaela Hohn kennt, der weiß, dass ihr dieser Spagat gelingt.

In zehn Jahren wurde Michaela Hohn von der Bundesfreiwilligen zur Dienststellenleiterin. Wo sieht sie sich in weiteren zehn Jahren? „Auf jeden Fall weiterhin bei den Maltesern. Hier bin ich natürlich auch für neue Aufgaben offen“, betont sie. Den Grundstein dafür legt sie mit ihrer berufsbegleitenden Weiterbildung zur Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialwesen, die sie seit Anfang 2020 absolviert.

Nicht nur in beruflicher Hinsicht hat Michaela Hohn ihre Heimat bei den Maltesern gefunden. Dort lernte sie auch ihren Mann für’s Leben kennen: auch Sebastian Eggerl, der aus Hauzenberg stammt, war vor zehn Jahren Bundesfreiwilliger bei den Maltesern. 

Michaela Hohn erinnert sich: „Wir sind oft zusammen im Fahrdienst Touren gefahren.“ Und mit einem Schmunzeln: „Manchmal denke ich, dass das Absicht war.“ Da hatte wohl schon vor den beiden jemand bemerkt, dass Amors Pfeil unterwegs war. Sie verbrachten auch ihre Mittagspause zusammen und waren in derselben Seminargruppe. „In dieser Zeit spricht man viel und lernt sich sehr gut kennen. Ja und dann ist es passiert, der Funke ist übergesprungen“, so Michaela Hohn weiter.

Ihr Lebensgefährte ist Maschinenbautechniker und arbeitet nebenberuflich – wie könnte es anders sein - noch bei den Maltesern, und zwar als Hausmeister im Kindergarten in Deggendorf. Auch er ist, wie seine Freundin, ein Malteser durch und durch. „Er ist stolz auf mich, achtet aber auch sehr darauf, dass es mir nicht zu viel wird“, erklärt Michaela Hohn. Zusammen wohnen die beiden in Deggendorf, besuchen aber, so oft es geht, ihre Familien in der alten Heimat.