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Malteser in Bayern und Thüringen

Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung

Schätzungen zufolge leben bis zu einer halben Million Menschen in Deutschland in der Illegalität.

In der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung finden Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus und Menschen ohne Krankenversicherung einen Arzt, der die Erstuntersuchung und Notfallversorgung bei plötzlicher Erkrankung, Verletzung oder einer Schwangerschaft übernimmt.

Da viele Patienten weder eine Praxis noch ein Krankenhaus aufsuchen wollen, helfen die Malteser unter Wahrung der Anonymität. Vernetzungen und Kooperationen mit Kirchen, Verbänden und Vereinen ermöglichen weitere Hilfe.

Die medizinische Behandlung erfolgt ehrenamtlich durch Herrn Dr. med. Peter Lindner (Vorsitzender FILL e.V.) in dessen Praxisräumen in der Augsburger Innenstadt:

Unter dem Bogen 2, direkt am Rathausplatz.

Die Sprechstunde von MMM in Augsburg ist: 
Mittwoch, von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber natürlich möglich und  sinnvoll!

Malteser Migranten Medizin:
Unter dem Bogen 2 (direkt am Rathausplatz)
86150 Augbsurg
Telefon: 0821 / 45 51 90 03

Web: www.malteser-augsburg.de 

Unsere Öffnungszeiten:
dienstags von 9:30 bis 13:30 Uhr
donnerstags von 14:30 - 17:30Uhr

Kinderärztliche Sprechstunden:
jeden ersten Dienstag im Monat von 14:00 - 16:00Uhr
jeden dritten Donnerstag im Monat von 12:00 - 14:00Uhr

zahnärztliche Sprechstunden (in Kooperation mit dem Hilfswerk Zahnmedizin Bayern e.V.):
dienstags von 9:30 - 13:30Uhr
donnerstags von 14:30 - 17:30Uhr
und nach Vereinbarung

Wenn sie das Angebot wahrnehmen möchten, brauchen Sie sich nicht anzumelden, sondern können einfach vorbei kommen. Es empfiehlt sich, bereits möglichst frühzeitig in der MMM-Anlaufstelle vorzusprechen. 

Malteser Migranten Medizin
Streitfeldstr. 1| 81673 München
Telefon: 0 89 / 43 608 - 411
Fax:      0 89 / 43 608 - 419
Email: migranten-medizin-muenchen(at)malteser(dot)org

Auch die im Dunkeln werden krank

Interview mit Dr. Peter Frey, Chefredakteur des ZDF und Schirmherr der Malteser Migranten Medizin (MMM). Seit 2009 ist Augsburg einer von bundesweit elf MMM-Standorten. Die Malteser Migranten Medizin richtet ihr Angebot nicht nur an Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus, sondern bietet allen Menschen ohne Krankenversicherung eine ärztliche Erstversorgung unter Wahrung ihrer Anonymität an. Seit ihrem Bestehen konnten die Malteser bundesweit in mehr als 40.000 Fällen helfen.

Vor elf Jahren ist die erste Anlaufstelle für Menschen ohne Krankenversicherung, die Malteser Migranten Medizin, in Berlin gegründet worden. Herr Dr. Frey, aus welcher Motivation heraus haben Sie sich dazu entschieden, sich als Schirmherr für die Malteser Migranten Medizin zu engagieren?

Auf Initiative des Malteser Hilfsdienstes konnte ich das Projekt Malteser Migranten Medizin kennenlernen. Ich habe das Krankenhaus besucht, das im idyllischen und gut bürgerlichen Berliner Stadtteil Wilmersdorf liegt. In meinem Gespräch mit der Leiterin der Malteser Migranten Medizin, Frau Dr. Franz, erlebte ich, wie auf einmal - sozusagen aus dem Dunkeln der Stadt - Menschen hervorkamen, die durch das soziale Netz herausgefallen sind und keine Krankenversicherung haben. Dabei handelte es sich sowohl um Selbstständige, deren Geschäfte nicht mehr liefen, sodass sie ihre private Krankenversicherung nicht mehr bezahlen konnten, als auch, und darauf weist der Name des Dienstes hin, um zahlreiche Migranten, die zum Teil illegal in Deutschland leben. Auch diese Menschen werden krank, haben Zahnschmerzen oder bekommen sogar Tumore, sie werden schwanger und brauchen dann eine medizinische Versorgung. Gott sei Dank gibt es in mittlerweile elf deutschen Städten unter dem Schutz der Kirche die Malteser Migranten Medizin, an die sich diese Menschen wenden können. Ich finde dieses Projekt sehr unterstützenswert, denn es handelt sich um Sozialarbeit im Herzen Deutschlands. Man muss nicht immer nach Afrika oder Asien gehen, um Notleidende zu finden.

Als Sie vor sechs Jahren die Schirmherrschaft übernommen haben, gab es gerade mal eine Handvoll Anlaufstellen der Malteser Migranten Medizin. Mittlerweile gibt es bundesweit elf Standorte. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein? Drohen uns amerikanische Verhältnisse?

Bei aller Kritik gegenüber unserem Gesundheitswesen kann man unsere Verhältnisse nicht mit amerikanischen vergleichen. Ich glaube, dass das deutsche Gesundheitssystem insgesamt betrachtet immer noch zu dem effektivsten in der ganzen Welt gehört, selbst wenn man es mit bestimmten europäischen Versorgungswerken vergleicht. Dennoch gibt es auch bei uns Menschen, die aus dem sozialen Netz heraus fallen, aus Gründen ihres ungeklärten Aufenthaltsstatus oder aus akuter persönlicher Not.

Im Vergleich zu England stehen wir in Deutschland ziemlich gut da, auch wenn die Zeiten schwieriger geworden sind. Das hängt unter anderem mit der Alterung der Gesellschaft zusammen und damit, dass die Menschen, wenn sie älter werden, eine intensivere medizinische Versorgung brauchen. Gerade die allerletzten Jahre des Lebens sind häufig von Pflegebedürftigkeit, Demenz, und neuen Krankheitsbildern gekennzeichnet, deren Behandlung besonders teuer ist, und deshalb ist es gut, dass die Malteser Migranten Medizin sich um diese Menschen kümmert.

Trotz der Namensgebung ist die Malteser Migranten Medizin nicht nur für Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus da, sondern ganz allgemein für Menschen ohne Krankenversicherung. Die Augsburger Malteser feiern gerade ihr 50-jähriges Bestehen und haben  die Bekämpfung der Altersarmut zu ihrem Jubiläumsprojekt erklärt. Fürchten Sie, dass sich in Zukunft vermehrt alte Menschen an die Malteser Migranten Medizin wenden müssen?

Ich sehe jedenfalls das Problem, dass die Versorgung im Alter schwieriger wird: Bei steigenden Preisen wird das Rentenniveau schwerlich dazu beitragen, den gewohnten Lebensstandard zu halten. Es liegt auf der Hand, dass Menschen ganz besonders davon betroffen sind, wenn es ihnen nicht gelungen ist, in Versicherungssysteme einzuzahlen. Insofern glaube ich auch, dass die Zahl derjenigen, die auf eine solche Hilfe angewiesen sind, wachsen wird.

Bei MMM imponiert mir besonders, dass nicht nur eine Art ärztlicher Notfalldienst organisiert wird, sondern dass richtige Netzwerke entstehen. So hat der Arzt, der die MMM-Praxis leitet, meistens gute Verbindungen zu den örtlichen Apotheken, zur Pharmaindustrie, zu Fachärzten und Krankenhäusern. Auf diese Weise kann auch jenen Menschen geholfen werden, die spezielle Hilfe brauchen. Das finde ich sehr anerkennenswert.

Kommt es bei den Menschen, die aus dem sozialen Netz herausgefallen sind, neben der ärztlichen Hilfe auch auf Ansprache an, die sie sonst eher nicht bekommen?

Das glaube ich schon. Aber nach allem, was ich gehört habe, ist die Schwelle dorthin zu gehen, besonders bei Illegalen ziemlich groß. Denn sie befürchten, dass sie nach ihren Papieren gefragt werden, oder dass die Polizei vor der Tür steht. Es spricht für die Großzügigkeit unseres Staates, dass es Vereinbarungen mit Trägerorganisationen wie den Maltesern gibt, in solchen Situationen die Augen zuzudrücken. Oft sind es die Ortsbischöfe, die ihre schützende Hand darüber halten und sich über manche Vorschrift hinwegsetzen, weil sie  sagen: Der Mensch ist wichtiger!

In Augsburg haben die Malteser ihre Angebote seit den vergangenen 50 Jahren stark ausgebaut und neue Schwerpunkte gesetzt. So gibt es seit 2009 auch hier vor Ort die Malteser Migranten Medizin. Was wünschen Sie den Augsburger Maltesern und den zahlreichen Ehrenamtlichen für die Zukunft?

Erstens freue ich mich, dass sie da sind. Zweitens finde ich, dass ihr Wahlspruch „weil Nähe zählt“ enorm wichtig ist. Es geht nicht nur um Versorgung, es geht um Zuwendung zu den Menschen. Drittens finde ich es wichtig, dass es sich bei den Maltesern um ein christliches Hilfswerk handelt, das seine Aufgabe mitten in unserer Gesellschaft sucht. Es sind Christen, die sich – ob hier in Augsburg oder anderswo in der Welt - nicht verschließen, sondern sagen: Wir haben eine Aufgabe in der Welt. Ich wünsche mir, dass das Bewusstsein bei allen Christen wächst, dass man nicht für sich alleine Christ sein kann. Als Christ muss man sich mit der Welt, so wie sie ist, auseinander setzen. Ich wünsche den Maltesern und ihren zahlreichen Ehrenamtlichen diesen eingeschlagenen Weg mutig weiter zu beschreiten.

Jubiläumsprojekt gegen Altersarmut
Große Vorhaben wie die Arbeit des Malteser Hilfsdienst e.V. in der Diözese Augsburg können nur mit der Unterstützung großzügiger Spender und Förderer dauerhaft verwirklicht werden. Statt Geschenken anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens erbitten die Malteser Spenden für ihr Jubiläumsprojekt „Malteser gegen Armut im Alter“.

Spendenkonto: 1201202015 BLZ: 37060120 (Pax Bank) Spendenzweck: Jubiläum Altersarmut

Zur Person: Dr. Peter Frey
ZDF-Chefredakteur, 1957 in Bingen am Rhein geboren
1985 bis 1988: Redakteur und Reporter "heute journal"
1992 bis 1998: Entwicklung, Leitung und Moderation "ZDF-Morgenmagazin"
2001 bis 2010: Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin
Schirmherr der Malteser Migranten Medizin
verheiratet, eine Tochter

Foto: Stephan Reichl

Die Malteser
Christlich und engagiert: Die Malteser setzen sich für Bedürftige ein. Hilfe für mehr als zwölf Millionen Menschen pro Jahr weltweit • 69.000 Engagierte in Ehren- und Hauptamt • an mehr als 700 Orten • 1 Mio. Förderer und Mitglieder. Spendenkonto Malteser Hilfsdienst e.V.: Kontonummer: 108 499, BLZ: 750 903 00

Malteser Augsburg:
Alexander Pereira, Diözesangeschäftsführer, Tel. 0821 – 25850-20, alexander.pereira(at)malteser(dot)org, Werner-von-Siemens-Str.10, 86159 Augsburg, www.malteser-augsburg.de

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